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Firmenporträt Katholische Kirche

Brancheneinblick

Viele von uns kennen die katholische Kirche und viele haben wahrscheinlich auch eine Meinung über sie.

Als ich mich mit Pfarrer Roland Breitenbach in Schweinfurt im Pfarrbüro St. Michael treffe, sitzen wir gegenüber und es entsteht ein Moment der Spannung, weil der Beginn eines Gespräches vielleicht spannend sein sollte. Ich erkläre Herrn Pfarrer Breitenbach, dass ich mich normalerweise auf meine Gespräche einfach so einlasse, weil sie ja auch einfach so am Wegrand passieren. Wenn man aber einem solchen »Kaliber« gegenübersitzt, dann hat man sich schon Gedanken gemacht, was man sagt und fragt und, wie man ein solches Gespräch beginnt.
Ich erzähle deshalb am Anfang von einer Begegnung der VORORT Steuerberater Wirtschaftsprüfer Rechtsanwälte im Rahmen einer Jahrestagung mit dem Gründer der OBI Heimwerkerkette, Herrn Manfred Maus. Herr Maus hat uns damals bei einer Veranstaltung in Bad Kissingen erzählt, dass er einmal eine Rede vor hohen katholischen Würdenträgern halten durfte und, dass er in dieser Rede in etwa wie folgt gesprochen hat: Die katholische Kirche ist eigentlich auch einfach ein großes Unternehmen. Der Papst ist der Vorstandsvorsitzende, das Logo ist das Kreuz, es gibt die Hauptfranchisenehmer (Bischöfe vor Ort), die weiteren kleinen Franchisenehmer (Priester vor Ort) und die Kunden sind das Volk. Und um dieses Volk sollte man sich ganz einfach gut kümmern, sonst bleiben sie fern.

So in etwa aus der Erinnerung die Geschichte von Manfred Maus und ich frage Roland Breitenbach, wie viel Firma / wie viel Unternehmen steckt in der katholischen Kirche. Und er antwortet ziemlich schnell: »Wenn ich an die Kirchensteuer denke, also an die Einnahmen der katholischen Kirche, dann sieht das natürlich wie eine Firma aus«. Das Dekret der deutschen Bischöfe anlässlich ihrer aktuellen Herbsttagung in Fulda über die Mitgliedschaft in ihrem Unternehmen, entweder ganz oder gar nicht, über die Leistungen, die jemand dann nicht mehr bekommt, wenn er nicht mehr Kunde ist, dieses Dekret hat bei Vielen, viel Unverständnis ausgelöst. Und Roland Breitenbach erklärt mir: »Gute Firmen würden mit Verständnis und Zuneigung und mit Entgegenkommen reagieren, wenn ein Kunde gekündigt hat. Denn gute Firmen wollen ihre Kunden zurückgewinnen und sind davon überzeugt, dass sie ihren Kunden Gutes zu bieten haben. Durch den Automatismus der Kirchensteuer, ist das Gefühl für den Kunden verloren gegangen«.
Reden wir über Beispiele außerhalb des deutschen Systems. Zum Beispiel Italien: Hier kann der Kirchensteuerzahler bestimmen, wer sein Geld bekommt. Es gibt die staatliche Verpflichtung, diese Steuer zu bezahlen, aber es gibt auch die freie Wahl zu bestimmen, wer dieses Geld bekommt und damit entsteht ein guter Wettbewerb unter denen, die dieses Geld erhalten. In Frankreich zum Beispiel bekommt die Kirche das, was die Gemeinde erbracht hat. Und der französische Bischof Jacques Gaillot, ein Freund Roland Breitenbachs, hat bei einem Besuch in Schweinfurt auf die Frage, wie viel er denn Gehalt bekäme, geantwortet: »So viel, wie in Deutschland ein Sozialhilfeempfänger«.
In Deutschland werden die Bischöfe und das Domkapitel vom Staat bezahlt, so erzählt mir Roland Breitenbach und damit ergibt sich eine Abhängigkeit, die für ein Unternehmen gefährlich ist. Roland Breitenbach erklärt mir, dass er der Meinung ist, Geld muss fließen; von oben nach unten. Wenn erst die ersten Millionen da sind, machen die anderen keinen Sinn mehr. Dann wird Geld angelegt und Geld arbeitet für sich und es steht den Menschen nicht mehr zur Verfügung. Natürlich braucht auch er Geld, gerade heute früh hat er wieder 250 Euro an Bedürftige gegeben und er versteht nicht, warum zum Beispiel in der Rüstungsindustrie unverantwortlich viel Geld ausgegeben wird, das Menschen so dringend bräuchten.
Im weiteren Gespräch kommen wir auf die obersten Firmenlenker der Firma katholische Kirche zu sprechen und ich frage ihn, was er vom lächelnden Papst hält, den ich persönlich sehr gemocht habe, der aber nur 33 Tage die Firma geleitet hat. Da gibt mir Roland Breitenbach einen interessanten Hinweis, dass dieser Papst bei einer Generalaudienz am Petersplatz folgenden Satz gesagt hat: »Gott ist zu uns nicht nur ein Vater, vielmehr ist er auch eine Mutter«. Dieser Satz wurde lange verschwiegen, weil die katholische Kirche damit nicht zurecht kam. Ich frage ihn, ob dieser lächelnde Papst ein guter Chef geworden wäre, über seine 33 Tage hinaus, und er sagt mir: »Nein«. Meine Frage wer für ihn, der richtig gute Firmenleiter ist, den er selbst erlebt hat, beantwortet er schnell: »Johannes der XXIII.«. Zu seiner Zeit hatte er studiert und die berührend menschliche Art, die Johannes der XXIII. gelebt hat, hat Roland Breitenbach sehr überzeugt. Er hat den Fußkuss abgeschafft und er hat das Konzil einberufen und er konnte sich selbst auf die »Schippe nehmen«, was eine kleine Geschichte erzählt.

Als der Papst gebetet hat, hat er von unser aller obersten Firmenlenker den Hinweis erhalten: »Hänschen nimm dich nicht selbst so wichtig«. So hat er es selbst erzählt. Wir sprechen über die Veränderungen nach dem Konzil, die mir als jungen Menschen / später als Ministranten sehr positiv in Erinnerung sind, so zum Beispiel, dass der Priester dem Volk zugewandt die Messe hält und Roland Breitenbach ergänzt, das war für ihn der Wandel aus der klerikalen Situation hin zur Kommunikation mit dem Volk / mit den Kunden dieser Firma. Gerade drei Tage vor unserem Gespräch war Marco Politi aus Rom zu einem Vortrag in der Gemeinde St. Michael in Schweinfurt und er hat bei seinem Vortrag über den jetzigen Papst Benedikt XVI. seine Meinung kund getan in einer Art, die diesen Papst sehr schätzt und ihn verehrt, aber er hat auch erklärt, was er nicht kann. Zum Beispiel ist er ein schlechter Umsetzer und Aussagen wie, Latein bleibt die Muttersprache der katholischen Kirche, führen dazu, dass man sich fragt, wie in dieser Sprache Dialoge mit dem Kunden überhaupt möglich sein sollen. Pfarrer Breitenbach spricht davon, dass jeder selbst erkennen muss, was er wirklich gut kann. Er selbst wäre sicher ein schlechter Personalchef, der aus lauter Barmherzigkeit die Notwendigkeiten einer Firma nicht erkennen würde. Auch wäre er schlecht für die Verwaltung, deshalb liegen seine Vorlieben in der Seelsorge und im Journalismus, was ja die Vielzahl seiner Bücher, die er geschrieben hat, zeigt. Pfarrer Breitenbach erzählt mir von einem Buch, »Das Peterprinzip«, das ihn sehr beeindruckt hat. Es erzählt davon, dass wir eine Leiter hinaufsteigen können und, dass wir hoffentlich jeder die Stufe erreichen, auf der wir spüren, dass sie die Stufe des Glücks / der Erfüllung ist. Wer die Stufe erreicht hat, muss wissen, dass die Stufe darüber und die Stufe darunter für ihn nicht die richtigen Stufen sind. Man muss auf seiner Stufe einen Fehler machen, der aber nur so groß sein darf, dass er bewirkt, dass man keine Stufe mehr höher kommt und keine Stufe tiefer fällt. So hat er das für sich beherzigt und ist in den letzten Jahren aufgegangen in seiner Position als Pfarrer von St. Michael in Schweinfurt. Jeder, der Roland Breitenbach kennt, weiß um das, was er da vor Ort geleistet hat. Hier nur einige seiner Aktivitäten: Er hat die Arbeitslosenaktion 1,5% schon 1979 gegründet. Er unterstützt die Projekte Brückenhaus und Lebensküche des Diakons Stefan Philipps, in denen benachteiligte junge Menschen teilhaben können am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben, sowie in Not geratende Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger. Seine Motorradgottesdienste sind legendär, ebenso der Ehe-TÜV, nicht zuletzt sind seine Sonntags- gottesdienste überdurchschnittlich gut besucht, sodass man ganz einfach sagen kann, dass der Firmenlenker von St. Michael in Schweinfurt vor Ort einen richtig guten Dienst tut, für die große Firma Katholische Kirche. Über seinen Vorgänger Edgar Röhrich sagt er, er habe eine tolle Arbeit geleistet. St. Michael wurde schuldenfrei an ihn übergegeben und der Heizöltank war voll. Während des Gesprächs frage ich Roland Breitenbach, ob er in den vielen Jahren, die er dieser Firma zur Verfügung steht, jemals an Kündigung gedacht hat und da bleibt es einen Moment still und er sagt: »Da gibt es wohl eine Innensicht, seine glaubensmäßige Überzeugung und die Außensicht, was wäre die Alternative gewesen.«

Meine Schlussfrage, was sollte die Katholische Kirche in fünf / in zehn Jahren erreicht haben, welche Ziele sollte sie sich setzen, beantwortet Roland Breitenbach so, dass es wichtig ist, dass seine Kirche auf ihre Quellen zurück geht und sich nicht zu sehr auf die Tradition beruft. Sie soll sich nicht dem Zeitgeist anpassen, sondern den Geist der Zeit verstehen. Sie sollte, wie das gute Beispiel Irland zeigt, nicht Kultur zerstören, sondern integrieren. In Irland wurde der Sonnengott angebetet, als eine Scheibe und als Missionare kamen, wurde ein gutes Miteinander gefunden, das heutige Keltenkreuz, das die Scheibe und das Kreuz als Symbol (als Logo) akzeptiert. Im Gegensatz dazu wurde in Germanien von Bonifatius erstmal deren Symbol, die Eiche gefällt. Er erzählt mir, dass er das jüngste Beispiel von dem neunjährigen Jungen, der in Dortmund gestorben ist und der auf seinem Grab einen Fußball oder ein Andenken an seinen BVB haben wollte, nicht verstehen konnte, weil in solchen Fällen, die Friedhofsatzung vor dem Evangelium und den Gefühlen der Menschen zählt. Er hätte sich vorstellen können, dass man diesem Kind und dem Wunsch der Angehörigen gut hätte nachkommen können und er zitiert den Satz, der in der Bibel wohl ein Dutzendmal vorkommt und von dem er sich in dieser Situation hätte leiten lassen: »Vor meinem Gott will ich singen und spielen«. Auf meine allerletzte Frage, warum er (77 Jahre), wie das für eine gute Firma nötig ist, die Unternehmens- nachfolge nicht geregelt hat, antwortet Roland Breitenbach, dass er darauf leider keinerlei Einfluss nehmen kann und dass es deshalb gut für ihn ist, da bin ich mit ihm einig, dass er seine Gemeinde St. Michael in Schweinfurt noch möglichst lange selbst gesund und fit führen kann. Auf diesem Weg lieber Roland Breitenbach ein herzliches Vergelt´s Gott für Ihre Zeit. Und so enteilt er zum nächsten Termin um 16.00 Uhr in die Palliativ-Station, wo eine alte Frau darauf wartet, dass sie die Leistung erhält, die sie ja schon lange im voraus bezahlt hat. Das also ein richtig gutes Angebot dieser Firma. www.stmichael.de

Autor/Textnachweis: Thomas Rösch

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